Love God - Love People
Schulbegegnung 2025

Nach Hause kommen

Für Stefan, Melody und mich ist die Ankunft in Ghana jedes Mal ein bisschen mehr nach Hause kommen.
Seit dem Start der Schulbegegnung 2014 sind wir als Kernteam gemeinsam unterwegs. Da ist nicht nur
vieles eingespielt und Routine, inzwischen haben wir auch gewachsene Beziehungen und Freundschaften
und kennen Orte, Menschen und Gegebenheiten. (Siehe dazu auch den Artikel zur Schulbegegnung 2023.)
Ganz anders ist dies für die Schülerinnen und Schüler, die meist zum ersten Mal an einer Schulbegegnung
teilnehmen. Für manche ist der Flug nach Westafrika der erste überhaupt und nichts ist Routine und
Gewohnheit, sondern Abenteuer und Herausforderung.

On the road ... 

In Ghana von A nach B zu kommen ist eine solche Herausforderung. Baustellen werden auch ohne Straße
umfahren. Auf den Landstraßen geht es nur langsam voran, da zum Teil sehr tiefe Schlaglöcher umfahren
werden müssen. Die Klimaanlage im Mini-Bus muss, bei über 30 Grad draußen, irgendwann abgeschaltet
werden, da die Batterie sonst den Dienst verweigert. Und dann entschädigt die Ankunft für alle Strapazen:

Akwaba - willkommen!

„Als wir nach unserer 7-stündigen Fahrt in Pai-Katanga (bei unserer Partner Schule) angekommen sind,
wurden wir so krass laut und voller Freude begrüßt, so wie ich es noch nie erlebt habe. Wir waren noch
nicht mal aus dem Bus raus, da kamen schon alle Kinder angerannt und freuten sich so laut, uns zu sehen.
So viele Menschen, die für 13 Menschen aus Deutschland tanzten, sangen, jubelten und sich einfach
freuten. Alle Kinder kamen zu einem, so dass man an jedem Finger ein Kind hatte, ein unbeschreiblich
schönes Gefühl und man hat sich direkt willkommen gefühlt.“ (Paula)

„Es ist so schön, wenn man an einen Ort zurückkehrt, an dem man schon gewesen ist und alle dich
wiedererkennen und losrennen, um dich zu umarmen.“ (Fine) 

Neues lernen - über das Leben und sich

Eine weitere Herausforderung ist die Zeit ohne WLAN. Das gibt es in Pai-Katanga schlicht und ergreifend
nicht und funktioniert in Accra so verlässlich wie die Deutsche Bahn.
So eine Zeit ohne WLAN lässt einem vieles anders wahrnehmen. Sicher genießen wir seinen Komfort, z.B.
beim Online-Einchecken oder bei schnellen Absprachen.
Und ja, auch in Ghana gibt es große Supermärkte, die China-Malls, allerdings nicht auf dem Dorf. Und ja, an
der Tankstelle unterwegs gibt es Kaltgetränke, aber für 13x Cola reicht der Vorrat dann doch nicht.
„Ich sehe auf jeden Fall mein Leben in Deutschland anders, weil ich merke, in was für einem Luxus ich
lebe.“ (Nele)
„Ich habe gelernt, dass man echt nicht jeden neuen Trend zu kaufen braucht. Das Einzige, was einen zu
100% erfüllen wird, ist die Beziehung zu Gott.
Und ich habe gelernt, dass ich mein Handy absolut nicht brauche, denn die 2 Wochen ohne Handy taten so
gut.“ (Paula)

Neues lernen - über Gott

Was macht man, wenn der Bus mitten auf der Straße ausgeht und man noch ein Drittel des Weges vor sich
hat? Anschieben - und beten. Und Gott danken, dass er uns einen begabten Mechaniker an die Seite
gestellt hat.
„Ich habe über Gott gelernt, dass er bei allem dabei ist und uns überall hilft.“ (Ben)
„Man hat Gott in unserer Gruppe gespürt und er hat mich, meinen Blick, schon echt verändert.“ (Lissy)
„Ich habe erneut über Jesus/Gott gelernt, dass man mit ihm einfach über allen/jeden reden kann und dass
er einfach immer für dich da ist.“ (Fine)

... und sein Handeln

Herausfordernd ist es auch, mit dem Leid konfrontiert zu werden, dass auch und gerade in Ghana vor
Menschen nicht Halt macht. Besonders eindrücklich wird das bei den Besuchen im Kinder Paradise. Dort
leben viele Kinder und Jugendliche mit Gewalterfahrung, die zum Teil von der Straße oder aus Sklaverei
gerettet wurden. Die Geschichte eines der Jungen bewegt uns besonders. Wir haben ihn bereits vor zwei
Jahren getroffen, als er ganz neu im Kinder Paradise angekommen war. Seitdem betet eine Teilnehmerin
von 2023 regelmäßig für ihn. Der Junge verbringt den Vormittag mit uns und beim gemeinsamen
Gottesdienst hat er sogar ein Trompetensolo. Erst zu Hause erzähle ich den Teenies seine Geschichte, eine
Vergangenheit voller Gewalt und Ablehnung. Ich selbst bin total berührt über die wachsende Veränderung,
die in ihm sichtbar wird.
„Ich habe gelernt, dass Gott auch über wirklich große Entfernung wirkt, wenn man betet.“ (Lilly)
„Ich habe gelernt, dass Gott immer und überall mit geht und dass sein Frieden und seine Hoffnung
Menschen, denen es wirklich nicht gut geht, zum Strahlen bringen können.“

Und jetzt?


Ich könnte diesen Artikel füllen mit den Erlebnissen und Erfahrungen, Erkenntnissen und Fragen, die wir mit nach Hause genommen haben. Denn wie alles im Leben hat auch die Reise mehr als eine Seite.

Frische Mangos und Avocados, Maracuja und frittierte Plantaines, Affen am Straßenrand, eine Bootsfahrt auf dem Lake Volta und ein Wasserfall mitten im Dschungel lassen den Reichtum Ghanas erahnen.
Postkolonialismus, Umweltverschmutzung, Kapitalismuskritik, moderne Sklaverei sind alles Themen, die wir nicht ausblenden, allerdings in den 14 Tagen nur anreißen können. Und doch ist die Ghana Schulbegegnung
jedes Mal eine Einladung, sich auch damit auseinanderzusetzen.
Ganz im Sinne unseres Mottos, angelehnt an Markus 12:30.31:
„Love God - Love people“.

Und das werden wir hoffentlich, und in der Zwischenzeit nicht nur dann, in zwei Jahren wieder tun.

Dameria Ehring
Schulsozialarbeit FCS Sekundarschule

An dieser Stelle ein herzliches Danke an alle, die uns bei der Schulbegegnung unterstützen. Wir schätzen dies und euch sehr!
Und danke an die mutigen Eltern, die uns jedes Mal ihre Teenager anvertrauen. Mawu na yra wo - Gott segne euch.